Gnadenlose Effizienz bei der Deutschen Post
02.06.2006

Wo ich heute gerade so schön in Fahrt bin, soll gleich auch ein anderes bekanntes Unternehmen noch ein klein wenig sein Fett weg bekommen.

Gestern liegt im strömenden Regen mitten in der Hofeinfahrt ein Briefumschlag. Zwar haben wir einen handelsüblichen Briefkasten an der Hauswand angebracht, aber vielleicht ist die Post ja mittlerweile dazu übergegangen, nach der Methode amerikanischer Zeitungszusteller zu arbeiten: Auf dem Fahrrad vorbeifahren und die Briefe beim Fahren nach links und rechts in die grobe Richtung des Empfängerhauses pfeffern. Das spart zweifellos Zeit und freut die Aktionäre.

Doch das ist noch gar nicht der Punkt. Auf den komme ich jetzt.

Offenbar ist manchen Mitarbeitern der Deutschen Post langweilig. Das klingt zwar nicht besonders logisch angesichts des Stellenabbaus der letzten Zeit, aber eine andere Erklärung habe ich nicht für diesen Vorgang.

Der besagte Brief trägt in klaren, deutlichen, mit schwarzem Kugelschreiber geschriebenen Buchstaben meine vollständige Anschrift - besser lesbar als bei vielen anderen Briefen, die mich erreichen. Unter anderem sind in etwa 1,5 cm hoher Schrift meine Postleitzahl und mein Wohnort korrekt aufgeführt. Der Regen hat der Lesbarkeit keinen Abbruch getan.

Es sind aber die Postleitzahl und die Hälfte des Wohnortes mit einem bedruckten Aufkleber folgenden Wortlautes überdeckt:

Sdg nachadressiert wg. unkorrekter Anschrift
Bitte Abs. verständigen! Deutsche Post / BZ 60
ersatzweise ermittelte Anschrift:

... und dann folgen auf diesem Aufkleber noch einmal Postleitzahl und Wohnort, und zwar genau in dem Wortlaut, wie sie der Absender auch ursprünglich auf den Brief geschrieben hatte.

Bitte? Was mag das Briefzentrum 60 der Deutschen Post wohl veranlassen, korrekte und klar leserliche Adressen mit identischen Angaben zu überkleben? Die Laufzeit des Briefes hat sich dadurch zudem um zwei Tage verzögert.

Ich ziehe demütig meinen Hut vor solch schneidiger Effizienz.

 
Formvollendetes Verhalten im Außendienst: Ein höfliches Nein und die Reaktion darauf
02.06.2006

Das persönliche Auftreten von Außendienstmitarbeitern will gelernt sein. Höflich, respektvoll und zielführend soll es sein. Manchen ist es offenbar schon in die Wiege gelegt worden, anderen weniger: Letztere sollten dann entsprechende Kurse besuchen. Wohl jedes Unternehmen, das einen Vertrieb einsetzt, führt sie durch. Erfolgreich absolvierte Verkaufs- und Rhetorik-Schulungen gehören zum Grundrepertoire eines jeden Außendienst-Mitarbeiters.

Dachte ich.

Gestern jedoch schlug im Auftrag eines Tiefkühlkostunternehmens (das europaweit agiert und nach eigenen Angaben in Deutschland Marktführer ist) ein Exemplar in unserem Wohnort auf, das uns eines Besseren belehrte.

Normalerweise sind die Verkaufsfahrer dieses Unternehmens höflich. Sie klingeln an der Tür, fragen nett, ob sie denn den Katalog dalassen dürfen, und verabschieden sich wieder.

Nicht so dieser Herr.

Das Übergeben des Katalogs verlief noch nach bekanntem Schema. Dann eskalierte die Situation jedoch. Er hatte wohl gelernt, dass es verkäuferisch von Vorteil ist, sich mit dem potentiellen Kunden auf einen Termin für ein telefonisches Nachfassgespräch zu einigen. Diesen Termin aber wollte er dann um jeden Preis erzwingen.

Dafür war ihm fast jedes Mittel recht: Eine höfliche, aber unbestimmte Antwort (wer lässt sich schon gerne derart festnageln?) akzeptierte er nicht. Eine ebenso höfliche Aufforderung, bitte nun zu gehen, quittierte er damit, dass er einen Fuß in die Haustür stellte, um deren Schließen zu verhindern. Die Rückgabe des Kataloges mit der Bemerkung, angesichts solcher Umgangsformen sei das Interesse an einem Kauf der Produkte nun erloschen, wurde mit einem Wutausbruch und verbalen Entgleisungen in stark erhöhter Lautstärke beantwortet.

Liebes Tiefkühlkostunternehmen: Mit Aggressivität und einem Verhalten, das an Hausfriedensbruch grenzt, gewinnt man keine Kunden, man vergrault sie. Könnt Ihr das bitte Euren Fahrern noch einmal sagen, nur der Vollständigkeit halber? Und wir sind gespannt, ob das besagte Exemplar nach unserer telefonischen Beschwerde in unserer Gegend noch einmal auftauchen wird.

 
Der Countdown auf 1.0.9 beginnt
31.05.2006

Soeben wurde die voraussichtlich letzte öffentliche Beta vor dem Release 1.0.9 veröffentlicht. Bravo, Rey! Die neue Politik des breit angelegten Tests von Betas dürfte der Qualität der endgültigen Version diesmal zugute kommen.

Wie bei meinem letzten diesbezüglichen Artikel gilt: Fehler in der neuen Beta 4 bitte im "Quality & Testing"-Forum melden bzw. im Bugtracker eintragen. 

 

 
Migration auf Joomla 1.5 wird die Spreu vom Weizen trennen
23.05.2006
Alle warten auf Joomla 1.5. Alle rufen nach Testversionen und Release-Terminen. Vermutlich die wenigsten wissen, was da auf sie zukommt.

Denn eine Website auf Version 1.5 umzustellen, wird kein einfaches Ersetzen von Dateien bedeuten, wie es innerhalb der 1.0.x-Reihe möglich ist. Die Änderungen sind zu groß und umfassen auch das Herz einer jeden Joomla-Installation, die Datenbank.

Die Entwickler empfehlen ausdrücklich eine Migration, und das bedeutet eine etwas aufwendigere Vorgehensweise: Die Website muss mit einer separaten Blanko-Installation von Joomla 1.5 komplett neu aufgebaut werden, Datenbankinhalte müssen konvertiert werden.

Dabei soll eine spezielle Migrations-Komponente die Umstellung etwas komfortabler gestalten. Sie befindet sich derzeit in Entwicklung und soll den Daten-Export aus der alten Website vereinfachen. Diese Komponente wird in der alten Website installiert und sichert die MySQL-Inhalte.

Während der Installationsroutine von Joomla 1.5 können die solchermaßen erzeugten Datenbank-Dateien eingelesen werden und werden dabei auf die neuen Strukturen angepasst. Auf diese Weise wird der Content übertragen. Auch Core-Module wandern als Kopie in die neue Installation, werden dort aber auf "Unveröffentlicht" gesetzt, da sie vermutlich Nacharbeit erfordern. Beim Import wird zudem die Menü-Verlinkung der alten Inhalte übernommen.

So weit, so gut. An diesem Punkt wird es - je nach Umfang der bisherigen Installation - etwas anstrengender, denn eine Migration von Drittkomponenten wird durch die Migrationskomponente natürlich nicht durchgeführt. Die zugehörigen Datentabellen werden zwar beim Export mitgesichert, aber für die Installation einer 1.5-kompatiblen Version der betreffenden Komponenten und das Rücksichern der entsprechenden Daten ist man als Anwender selbst zuständig - ebenso wie für das Kopieren der externen Inhalte wie z.B. Bilder.

Statt der halbautomatischen Vorgehensweise mit der oben beschriebenen Komponente kann man natürlich auch selbst den Datenexport durchführen, muss dabei aber auf Dinge wie z.B. Zeichensatzcodierung selbst achten. Wer jetzt an phpMyAdmin denkt, sei hiermit gebremst: Die Entwickler warnen ausdrücklich davor, für diese Aufgabe die Kombination aus MySQL 4.1 oder höher und phpMyAdmin in Versionen höher als 2.6 einzusetzen. Das ist auf vielen Shared-Hosts eine gängige Kombination, und deswegen müssen Betroffene in diesem Fall wohl auf die Migrations-Komponente zurückgreifen.

Eine vernünftige Vorgehensweise sieht also folgendermaßen aus: Man richtet sich eine separate Installation von Joomla 1.5 ein. Das kann auf einem Testserver zuhause passieren (dabei benutzt man am besten die exakt gleichen Rahmenbedingungen des produktiven Webservers, also Betriebssystem-, Datenbank-, PHP- und Apache-Versionen beachten) oder in einem neuen Unterverzeichnis auf dem Webspace. Dann beginnt man in Ruhe mit dem Aufbau der neuen Version, bis man alles rekonstruiert hat. Schließlich "legt man den Schalter um", ersetzt also die alte Website durch die neue.

Da dieses Vorgehen nicht ganz trivial ist und es sehr viele Joomla-User ohne jedes Grundlagenwissen gibt, wird die Migration sicherlich für einiges Aufsehen und viele Support-Anfragen sorgen. Das traue ich mich hier schon mal zu prophezeien - zumal es nicht für jede denkbare Konstellation ein Tutorial geben kann.

Weitere Informationen dazu finden sich in englischer Sprache auf dem Developer-Portal.
Eine erste Testversion der Migrations-Komponente kann hier heruntergeladen werden (dazu muss man im Forum angemeldet sein).

 
Öffentliche Beta von Joomla 1.0.9
16.05.2006

Es gibt anscheinend ein neues Release-Prozedere: Letzte Nacht hat Rey Gigataras eine Beta 2 für den allgemeinen Test veröffentlicht.

Download
Changelog

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei dieser Version um eine Betaversion handelt, die noch nicht auf produktiven Sites eingesetzt werden soll. Also denn mal ran an die Testserver.

Update: So löblich das Bereitstellen einer öffentlichen Beta ist - es ergibt nur dann einen Sinn, wenn die Anwender intensiv testen und auftretende Fehler berichten. Für solche Reports gibt es auf forum.joomla.org das Unterforum "Quality & Testing" und auf der Forge den Bugtracker (dort ist ein Login erforderlich). Diese Möglichkeiten sollten genutzt werden, um dem Entwicklerteam ein Feedback über die Qualität zu geben.

 
Joomla 1.0.9 rückt näher
14.05.2006

Möglicherweise können wir um das nächste Wochenende mit der neuen Joomla-Version 1.0.9 rechnen. Das zumindest ist aus Andeutungen eines Core-Developers zu entnehmen. Neben Bugfixes werden wohl weitere umfangreichere Optimierungen - vor allem in Performance-Hinsicht - enthalten sein.

 
Mambo macht sich eine neue Affäre
08.05.2006

In der Mambo-Community - oder dem, was davon noch übrig ist - rumort es derzeit wieder heftig. Anlass ist unter anderem der Verkauf der Gesellschaft "Mambo Communities", die mittlerweile unter anderem das Mambo-Forum und die Projektseite MamboXchange betreibt, an den australischen Suchmaschinenbetreiber Ansearch. Der will offenbar durch die Akquise der stark genutzten zentralen Projektseiten die Streubreite für seine Online-Dienste erweitern. Im Mambo-Forum stieß dies nicht auf ungeteilte Gegenliebe, da Mitglieder die Kommerzialisierung als Bedrohung für die freie Fortführung des Projekts Mambo empfinden.

Am 25. April 2006 hat Martin Brampton - Entwickler der bekannten Komponenten Remository und Glossary und derzeit Leiter des Mambo-Entwicklerteams - seinen Rücktritt von der Mambo Foundation bekannt gegeben. In einem weiteren Beitrag geht er hart mit der Arbeitsweise der Foundation ins Gericht - besonders was die Vorgehensweise bei der Übertragung der Markenrechte an Mambo auf die Foundation angeht.

Kurz zuvor hatte Martin zusammen mit der auch in der Joomla-Community sehr aktiven Lynn Pope ("Elpie") und den Mambo-Team-Mitgliedern David Rabinowitz ("Hazman") und Carlos Souza ("csouza") die unabhängige Mambo-Support-Seite http://mamboguru.com ins Leben gerufen, deren vordringliches Ziel das Bereitstellen einer Online-Dokumentation auf Wiki-Basis und der von kommerziellen Interessen unbeeinflusste Austausch in einem separaten Forum ist. Dies sorgte anscheinend bei der Mambo Foundation für böses Blut. Rabinowitz und Souza zogen sich nach der Bekanntgabe schlagartig wieder von diesem Projekt zurück.

Weitere Reaktionen folgten umgehend: Wie Martin Brampton berichtet, ist seine IP seit kurzem auf den mamboserver.com-Domains gesperrt. Auf MamboXchange wurde sein Name aus der Liste der Mambo-Entwickler entfernt, ebenso taucht er dort nicht mehr bei den Projekten Remository, Glossary und Mamboboard auf. All das, obwohl er in seinem Rücktrittsschreiben an die Foundation ausdrücklich betont hatte, dass er sich an der Weiterentwicklung von Mambo unverändert und mit ganzer Kraft beteiligen werde.

Wie sich das Mambo-Projekt angesichts dieser Zerwürfnisse weiterentwickelt, kann ich nur mutmaßen. Die Halbwertszeit von Mambo scheint mir deutlich kleiner geworden zu sein. Der kürzlich veröffentlichte Release-Candidate von Mambo 4.6 dürfte, wenn der Hinauswurf von Martin Brampton sich bewahrheitet, wohl nur noch Makulatur sein.

Ob ein weiterer Fork bevorsteht? Auffällig ist jedenfalls, dass sich auf http://www.mamboguru.com mittlerweile die Unzufriedenen aus dem Mambo-Lager neben einigen bekannteren Namen, die von Joomla enttäuscht sind, sammeln.

Update: Martin Brampton hat soeben bekanntgegeben, dass er sich vollständig aus der Mambo-Weiterentwicklung zurückzieht. 

 
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