Nach der Rückkehr aus meinem Urlaub (übrigens kann ich Lanzarote um diese Jahreszeit wärmstens empfehlen, Fotos gibt’s bald auf TravelPak) habe ich mir einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand zum Joomla-Projekt verschafft.
Auf den ersten Blick scheint alles wie immer. Auf den zweiten Blick jedoch brodelt es hinter den Kulissen, und zwar nicht zu knapp. Doch der Reihe nach.
- Joomla 1.0.9 ist immer noch nicht erschienen. Wegen der schweren Fehler in dem aktuellen Release 1.0.8 sind viele Anwender noch nicht auf diese Version umgestiegen. Für die User gibt es nach wie vor nur die verstreuten Infos im Forum sowie eine kurze Zusammenfassung von Rey Gigataras von Mitte März im Developer-Portal, wie die Fehler manuell zu beheben sind.
Wegen Zeitmangels von Rey soll sich die 1.0.9 noch weiter verzögern.Eine Release-Politik nach diesem Muster ist, gelinde gesagt, nicht nachvollziehbar. Ein kurz nachgeschobenes Bugfix-Release, nur mit den Korrekturen der berichteten Fehler, nennen wir es nun 1.0.8a oder 1.0.9, wäre das Gebot der Stunde gewesen.
- Brian Teeman ist aus dem Core-Team ausgeschieden. Nach Jean-Marie Simonet und Nic Steenhout ist dies der dritte langjährige Mitstreiter, der wegen Differenzen das Team verlässt und dies mit besorgniserregenden Worten kundtut.
- Die kommende Version 1.1 wird wegen der vielen Änderungen in 1.5 umbenannt, um den Versionssprung deutlicher zu machen.
Dass dies etwa eine Woche lang nur in einem Chat-Log der Entwickler nachzulesen war und nicht offen kommuniziert wurde – für sich gesehen eigentlich ein geringer Anlass -, führte zu einem Thread über die Informationspolitik des Core-Teams, der in Teilen seiner sieben Seiten durchaus lesenswert ist. Die Reaktionen von Mitgliedern des Teams öffnen einem nämlich abermals die Augen darüber, dass eine offene Information nicht nur nicht betrieben wird, sondern schon fast als unerwünscht angesehen wird.
Ich habe gute Lust aufzuhören, mir den Kopf anderer Leute zu zerbrechen und keine Zeit mehr mit konstruktiven Ideen zu verschwenden – konstruktive Mitarbeit der Community ist eindeutig nicht gewünscht, wenn es nicht gerade um Code-Fixes geht. Das sieht man an den fast schon schäbigen Antworten auf Joe aka Eyezberg: Dieser reißt sich seit langem den Allerwertesten auf und hat sehr viele exzellente Vorschläge zum Projekt Mambo und später Joomla beigetragen. Er ist außerdem Mitbetreiber des französischen Joomla-Portals. In diesem Thread wird er auf eine Art und Weise abgekanzelt, die mich sehr irritiert.
In diesem Sinne werde ich auch darauf verzichten, die hier übersetzte Erklärung des Joomla-Teams nach der Trennung von Mambo weiter zu analysieren. wie ich es eigentlich in Kürze vorhatte. Ich denke, die großen Worte zu Offenheit und Information haben sich weitgehend erledigt – ebenso wie das Gerede über die fantastische Community. Die völlige Abwesenheit des Projektleiters Andrew Eddie in den betreffenden Diskussionen, die seine Präsenz eigentlich dringend erfordern, spricht dazu Bände. Joomla may be Open Source, but it’s a closed project.
- In diesem Zusammenhang passt noch folgendes gut ins Bild: In diesem Blog-Eintrag mit dem etwas pathetischen Titel "A revision to remember" beschreibt ein Core-Entwickler eine geradezu sensationelle Neuerung in der Joomla-Administration, die er gerade programmiert hat: Braucht man mal ein wenig länger, um einen Artikel online zu schreiben, wird man nun nicht mehr – unter Totalverlust des Textes – einfach ausgeloggt.
Ich bin wie vom Donner gerührt ob dieser Verbesserung. Seit Jahren bittet die Community darum und hat sich längst daran gewöhnt, längere Texte offline vorzubereiten und dann einfach in den Editor zu kopieren. Nun ist just dieses Langzeit-Ärgernis einem Core-Entwickler passiert, schwupp, ist es auch (für 1.5) schon behoben. Wenn jetzt bitte den Mitgliedern des Teams auch noch die anderen bekannten Ärgernisse selbst zustoßen würden … ? Vielleicht ändert das ja etwas an der Priorisierung von Fehlerreports oder Feature Requests, die aus der Community kommen?
So, genug ventiliert.
Ich werde mich jetzt wieder meinem Relaunch widmen – der natürlich mit Joomla stattfindet.

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