Core-Developer hält kommerzielle Joomla-Komponenten für illegal

Ein neues Selbstzerfleischungs-Szenario tut sich für Joomla auf, angestoßen von Core-Developer Johan Janssens: Er vertritt die Ansicht, dass manche kommerzielle Extensions die GPL verletzen.

Sollte sich diese Ansicht durchsetzen, sieht es für Joomlas Zukunft düster aus.

Durch einen Artikel auf Steve Burge’s Blog wurde ich auf das Thema aufmerksam. Im offiziellen Forum entwickelt sich derzeit ein Thread, der diesen Aspekt diskutiert. Ursprünglich ging es nur um verschlüsselte Komponenten (wie z.B. SEF Advance, das zum Betrieb deswegen den Einsatz des IonCube Loaders auf dem Server erforderlich macht), die Diskussion umfasst mittlerweile allerdings generell die Veröffentlichung kommerzieller Komponenten.

Kurz gesagt, streitet man um folgende Frage:

Joomla selbst (also der Core) steht unter der GPL. Ist es nun zulässig, Komponenten unter einer anderen Lizenz als der GPL zu veröffentlichen?

Die GPL selbst gibt keine ganz eindeutige Auskunft dazu; durch widerstreitende Aussagen entsteht hier eine Grauzone. Entscheidend ist wohl, inwieweit man Extensions als eigenständige Anwendungen ansehen kann. Letzteres war zumindest bislang die gängige Auslegung.

Auch wenn ich als Laie die Thematik juristisch nicht abschließend beurteilen kann: Ich bin der festen Überzeugung – und habe bei Steve einen entsprechenden Kommentar hinterlassen -, dass es für das Projekt Joomla äußerst schädlich wäre, die kommerziellen Entwickler zu verschrecken.

Manche kommerzielle Komponenten sind echte Zugpferde für Joomla! Soll das System im professionellen Umfeld eingesetzt werden, so ist es auch unabdingbar, dass professionelle Entwickler mit der Programmierung und dem Support leistungsfähiger Komponenten Geld verdienen können. Dies kommt schließlich umgekehrt dem Projekt Joomla wieder zugute.

Ob das noch möglich ist, wenn Entwickler per GPL gezwungen sind, ihren Code offen herauszugeben, ist fraglich.

Die von Janssens unterschwellig ausgesprochene Drohung (sinngemäß sagt er, das Core-Team unternehme derzeit keine rechtlichen Schritte gegen kommerzielle Entwickler) schafft hier eine erhebliche Rechtsunsicherheit.

Ich finde diese Äußerungen unter anderem auch deshalb mehr als erstaunlich, weil das offizielle Joomla Extension Directory auf der (kommerziellen) Komponente Mosets Tree basiert. Wie sich dessen Entwickler wohl im Augenblick fühlt?

Natürlich gibt es auch etliche gute OpenSource-Komponenten. Aber angenommen, es wäre nicht mehr möglich, für Joomla (das sich in künftigen Versionen ja bekanntlich als Application Framework versteht!) kommerzielle Extensions zu entwickeln, ohne dass man gleichzeitig dazu gezwungen ist, den Code gleich mit zu verteilen? Hier ist meine Befürchtung, dass Joomla in hobbyistische Bedeutungslosigkeit zurücksinken wird.

Der derzeitige Projektleiter hat mit seinen Äußerungen – in meinen Augen ohne Not – eine vollkommen überflüssige Debatte vom Zaun gebrochen. Diese kann nun nicht einfach im Sande verlaufen, da für Entwickler von Extensions keine Rechtssicherheit mehr gegeben ist. Im Augenblick sehe ich im Wesentlichen zwei mögliche Lösungen:

  1. Joomla bleibt weiterhin unter der GPL, jagt die kommerziellen Entwickler zum Teufel und wird wieder zu einem Hobby-Projekt.
  2. Joomla entscheidet sich künftig für eine andere Lizenz wie z.B. die LGPL, die den Entwicklern von Extensions die glasklare Möglichkeit lässt, ihre Arbeit zu vermarkten, wie sie es für richtig halten.

Euer Feedback bitte. Was meint Ihr zu Janssens’ Äußerungen?

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