Das Zauberwort AJAX geht auch an Joomla nicht spurlos vorbei. Wer ab und zu im Extension Directory vorbeischaut, stellt fest, dass immer mehr Zusatzmodule sich mit diesem Modewörtchen schmücken.
Damit ist in der Regel gemeint, dass sie allerlei putzige optische Effekte an Bord haben:
- Bilder guckt man heutzutage mit Lightbox, Slimbox, Thickbox oder Greybox an.
- Rückmeldungen zu Benutzerkommentaren müssen inzwischen mit schicken Fading-Effekten eingeblendet werden, damit man sie auch wahrnimmt.
- Module fahren per Mausklick aus und verstecken ihre Inhalte dann verschämt wieder.
Auch die Template-Clubs lassen sich nicht lumpen und bauen immer mehr Effekte in Joomla-Templates ein, über deren praktischen Nutzen man durchaus streiten kann. Die neuesten Templates von RocketTheme und JoomlArt strotzen nur so vor AJAX-Klimbim.
Da wird es Zeit, einmal die Nachteile abzuklopfen, die der AJAX-Hype im Zusammenhang mit Joomla mit sich bringt.
- Unverträglichkeiten,
- Nutzlast,
- Usability.
Denn hier steckt der Teufel im Detail, und das merkt man schnell, wenn man sich mit diesen Tools beschäftigt.
Unverträglichkeiten
Joomla ist von Haus aus nicht mit den für die AJAX-Effekte erforderlichen JavaScript-Bibliotheken ausgerüstet. Folglich muss ein Plugin, das schicke Dinge tun will, selbst eine solche Bibliothek mitbringen. Davon fallen mir aus dem hohlen Bauch gleich einige ein: MooTools, JQuery, Script.aculo.us und Prototype. Und die gibt es natürlich auch in unterschiedlichen Versionen.
Da sind Konflikte vorprogrammiert, wenn zum Beispiel ein Funktionsaufruf gleich benannt ist – oder ein Tool eine neuere Version und ein anderes Tool eine ältere Version einer bestimmten Bibliothek installiert. Alle tragen sie ihre JavaScript-Dateien selbsttätig in den Seitenheader ein – und schon macht es rumms.
Die Support-Foren der großen Template-Clubs sind derzeit voll von Hilfeersuchen: Das Template installiert MooTools, ein Zusatztool installiert JQuery oder Prototype, und nichts geht mehr.
Nutzlast
Die benötigten JavaScript-Bibliotheken werden beim Laden der Seite auf das eigentliche Transfervolumen noch draufgepackt. Sicher haben wir mittlerweile eine überwiegende Abdeckung mit DSL, aber eine flott ladende, schlanke Seite verursacht immer noch einen gewissen Designerstolz. Und wenn eine Website mir erstmal 80 kB an JavaScripts rüberschiebt, komme ich doch ins Grübeln: Braucht die Website das wirklich, um ihre Message zu transportieren?
Usability
Hier wird es spannend. Denn die AJAX-Effekte stellen das erwartete Verhalten von Webseiten auf den Kopf. So funktioniert zum Beispiel das Vorwärts- und Rückwärts-Navigieren mit den entsprechenden Schaltflächen im Browser nicht mehr wie gewohnt, wenn JavaScript für wesentliche Funktionen benutzt wird – etwa bei Bildern, die via Lightbox aufgerufen werden.
Websites nähern sich damit in ihrem Verhalten an Desktop-Software an. Ob man nun das eine oder das andere bevorzugt, sei dahingestellt: Es handelt sich in jedem Fall um einen Bruch in der Bedienung.
Auch lohnt es sich, achtzugeben, was in der URL-Leiste des Browsers passiert. Die dort stehende Adresse entspricht unter Umständen nicht einmal mehr der tatsächlichen URL der betreffenden Seite. Was mag das in puncto Suchmaschinen bewirken? Oder was, wenn jemand eine solche Seite bookmarken möchte?
Man sollte sich außerdem manchmal fragen, was man seinen Benutzern zumutet. Was hat ein Besucher davon, wenn er eine Reihe Artikelüberschriften sieht und der zugehörige Introtext erst per Klick mit einem Schicki-Micki-Fade-Effekt eingeblendet wird? Genau: Gar nichts. Er muss nämlich, um zum Inhalt zu gelangen, einen weiteren (völlig überflüssigen) Mausklick machen und die Effektdauer abwarten. So verärgert man seine Besucher.
Fazit
Im Augenblick erleben wir einen wahren AJAX-Wildwuchs mit einer Vielzahl an problematischen Konstellationen. Dass es auf Dauer so nicht funktionieren kann, ist klar, und so hat das Joomla-Entwickler-Team auch bereits die Entscheidung getroffen, in die Version 1.5 die MooTools-Bibliothek zu integrieren. Wenn es dabei bleibt, sollten zumindest solche AJAX-Plugins, die diese Bibliothek nutzen, zukünftig schlanker ausfallen können, da sie keine eigenen Bibliotheken mehr installieren müssen, und die derzeitigen Inkompatibilitäten könnten reduziert werden. Mit anderen Erweiterungen auf Basis von Prototype oder JQuery wird es wohl weiterhin Probleme geben.
Trotzdem sollte man sich überlegen, welches Aufwand-Nutzen-Verhältnis mit dem Einsatz von AJAX verbunden ist. Oft wird es vernünftiger sein, eine bestimmte Problemstellung auf herkömmlichem Wege zu lösen, dabei auf optisches Brimborium zu verzichten, und stattdessen dem Benutzer ein performantes, standardkonformes Surf-Erlebnis zu bieten und von den Suchmaschinen gemocht zu werden.
Wenn eine effektlastige Lösung jedoch ausdrücklich benötigt wird, sollte man sich, wenn möglich, auf eine Technologie – z.B. MooTools – festlegen und versuchen, alle benötigten Effekte damit zu realisieren.

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