Endlich Innovation bei Joomla 1.6

Schick und neuSeien wir mal ehrlich: Für uns einfache Joomla-Webmaster besteht in der täglichen Anwendung doch kein rechter Unterschied zwischen Joomla 1.0 und 1.5. Die konkreten Vorzüge von 1.5 halten sich in sehr engen Grenzen.

Ja, 1.5 wurde komplett neu geschrieben und hat deswegen furchtbar lange gebraucht, das wissen wir alles, aber wo sind eigentlich die ins Auge springenden tollen Features gegenüber der Vorversion, die uns als Webmaster bei der ständigen Arbeit unterstützen und von denen wir unseren Kollegen abends am HTML-Stammtisch begeistert und mit glänzenden Augen berichten? Es gibt kaum welche.

Das soll sich mit Joomla 1.6 ändern.

Noch ist Joomla 1.6 ein zartes Pflänzchen, das recht weit von der Blüte entfernt ist. Die Chefentwickler haben aber schon einige Andeutungen fallen gelassen, mit welchen Neuerungen wir in dieser Version rechnen dürfen.

Einiges davon betrifft die Programmierschnittstelle; auf diese Themen will ich hier nicht eingehen, da sie eher für Entwickler von Extensions interessant sind. Viel spannender ist die Frage: Was ändert sich konkret für uns Nutzer? Wo finden sich sichtbare und direkt nutzbare Änderungen?

Über die neuen Systemvoraussetzungen (PHP 5.2 aufwärts bzw. MySQL 4.1 aufwärts) sowie über den neuen Legacy Mode habe ich hier schon berichtet. Also direkt und ohne Umschweife weiter zu dem, was uns an neuen Produkteigenschaften erwartet.

Benutzerrechte werden aufgebohrt

Das wichtigste neue Feature wird ein neues, feiner steuerbares Rechtesystem sein. Es wird auf dem Prinzip der Zugriffssteuerungslisten (Access Control Lists oder kurz ACL) basieren. Damit wird es in Zukunft möglich sein, Berechtigungen sehr viel detaillierter zu vergeben als das in den bisherigen Joomla-Versionen 1.0.x und 1.5.x der Fall war.

So soll es etwa machbar sein, die Sichtbarkeit von Inhalten im Frontend nach Rollen zu steuern, oder Berechtigungen für das Hinzufügen und Bearbeiten von Inhalten nur in bestimmten Kategorien vorzusehen. Auch die Funktionalitäten im Administrationsbereich sollen nach Rollen zugewiesen werden können, etwa so, dass eine Rolle nur Menüs bearbeiten darf, oder eine andere Rolle nur eine ganz bestimmte Extension verwalten darf.

Joomla ist bislang wegen des Fehlens solcher Voraussetzungen vollkommen untauglich etwa für komplexere Intranets – es sei denn, man ist gewillt, sich mit Core-Hacks oder Extensions von Drittentwicklern herumzuschlagen. Mit der verbesserten Zugriffssteuerung wird Joomla hier endlich zu anderen Content Management Systemen aufschließen können – vorausgesetzt, die Verwaltung der Zugriffslisten wird so umgesetzt, dass sie gut bedienbar ist.

Section, Category, Item

Welcher Joomla-Webmaster hat sich noch nicht über die starre Content-Hierarchie geärgert? Alle Artikel müssen in die feststehende Struktur aus Bereichen und Kategorien einsortiert werden. Als Notlösung für Extra-Seiten gibt es noch „unkategorisierte Inhalte“, nun gut.

Das kann man heutzutage beileibe nicht mehr als „State of the Art“ bei einem Content Management System ansehen. Andere Projekte sind Joomla hier meilenweit voraus und ermöglichen das beliebige Anlegen frei definierbarer Content-Strukturen und das Versehen von Artikeln mit Tags.

Hier gibt es nun eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist, dass es in Joomla 1.6 eine unbegrenzte Kategoriestruktur geben wird. Man kann Inhalte so tief verschachtelt anlegen, wie man es benötigt. Damit wird zumindest die bisherige – streng dreistufige – Hierarchie erweitert.

Die schlechte Nachricht aber ist, dass es immer noch nicht möglich sein wird, einen Artikel mehreren Kategorien zuzuordnen. Das klingt sehr nach 1999 und ist es leider auch.

Eingebaute Kommentarfunktion

Joomla 1.6 soll von Haus aus eine Kommentarfunktion mitbringen, die auch Pings und Trackbacks beherrscht. Dieses Feature könnte Azrul und anderen Entwicklern Kopfschmerzen bereiten und externe Kommentar-Extensions überflüssig machen.

Captchas für alle Formulare

Zur Spamverhinderung müssen Captchas bislang über externe Extensions nachgerüstet werden. Eine heutige Joomla-Installation, die damit nicht ausgestattet ist, wird – eine gewisse Auffindbarkeit über Suchmaschinen vorausgesetzt – in der Regel über das Kontaktformular intensiv zugespammt.

Joomla 1.6 soll nun eine eigene Captcha-Engine erhalten, damit diese Belästigungen der Vergangenheit angehören.

PDF: Hopp oder Topp

Noch aus grauer Mambo-Vorzeit stammt die Möglichkeit, von Artikeln PDF-Versionen zu erzeugen. Dies krankt aber an einigen Stellen, insbesondere was die Darstellung von Bildern oder eingebundenen Plugins angeht.

Man will sich diese Baustelle nun genauer ansehen und dann entweder die PDF-Engine so aufrüsten, dass dabei vernünftige Resultate herauskommen – oder aber sie ganz abschaffen.

Bye bye, Poll-Komponente

Das bei Joomla mitgelieferte Umfrage-Tool ist definitiv minderwertig und kann anderen verfügbaren Umfrage-Extensions in keiner Weise das Wasser reichen. Dies haben die Entwickler erkannt und sinnvollerweise den Entschluss gefasst, in Zukunft darauf zu verzichten.

Bye bye, Tabellen

Die HTML-Generierung der Layouts soll überarbeitet werden, und zwar so, dass semantisch sinnvoller und XHTML-valider Code erzeugt wird. Übersetzt bedeutet das: Keine Tabellen mehr im Code, wo sie nicht erforderlich sind, beispielsweise bei der Artikeldarstellung.

Mussten Template-Entwickler bei Joomla 1.5 noch mit Overrides arbeiten, um tabellenfreie Layouts zu erzielen, wird Joomla 1.6 schon „ab Werk“ keine HTML-Tabellen mehr erzeugen. Die Override-Funktionalität wird sicherlich trotzdem erhalten bleiben, um Freiheit bei der individuellen Ausgestaltung zu lassen.

Persönliche Anmerkung: Das hat dann ja nur einige Jahre gedauert.

Fazit

Joomla entwickelt sich langsam in Richtung größerer Professionalität. Die oben aufgeführten Punkte sind allesamt Schritte in die richtige Richtung, auch wenn Joomla in dem für die Version 1.6 angestrebten Funktionsumfang hier und da immer noch anderen Projekten weit hinterherhinkt.

Vor etwa einem Jahr habe ich in einem Artikel über die Neuerungen in Joomla 1.5 geschrieben, dass mir ein klarer Schnitt zur Vorversion, eine damit verbundene völlige Inkompatibilität und eine radikale Neuprogrammierung lieber gewesen wäre. Angesichts der nur allmählich stattfindenden Verbesserungen sehe ich das auch heute noch so. Solange sich noch die alten Konzepte durch den Code ziehen, stellen sie für die Weiterentwicklung einen hemmenden Klotz am Bein dar.

Was für Joomla 1.6 nach heutigem Kenntnisstand geplant ist, hört sich dennoch gut an. Die Innovation könnte nur ein wenig rascher voranschreiten. Sehr positiv finde ich in diesem Zusammenhang, dass ein Teil der geplanten Neuerungen von JXtended bereitgestellt wird.

Und wer weiß – vielleicht könnte ja die Öffnung des Entwicklungsprozesses dazu führen, dass sich die Taktung beim Projektfortschritt nun etwas beschleunigt?

Weiterführender Lesestoff

 

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