Es war nur einen relativ lapidaren Blogeintrag von Louis Landry mit dem euphemistischen Titel Keeping it Simple wert, der im Team-Blog zudem sofort von einem weiteren Posting über ein Installationshandbuch vom obersten Platz verdrängt wurde:
Die Joomla-Arbeitsgruppen "Quality & Testing" und "Design & Accessibility" wurden vergangenen Donnerstag aufgelöst. Dies geschah offenbar ohne vorherige Mitteilung an die Mitglieder dieser Arbeitsgruppen, auch die zugehörigen Forenrubriken wurden sofort geschlossen. Die Begründung dafür ist interessant.
Louis schreibt, die bisherige Vorgehensweise bei der Tätigkeit des Q&T-Teams habe zu vermehrtem Arbeitsaufkommen und Frustration geführt und die Weiterentwicklung der Version 1.5 behindert.
Um die Arbeit zu reduzieren (" to … take the work out of producing Joomla"), löse man das Q&T-Team nun auf. Die bisherige Arbeit sei ohnehin nur von ein, zwei Personen geleistet worden, der Rest sei untätig gewesen. Die verbliebenen noch aktiven Mitglieder sollen aufgefordert werden, in das Development-Team zu wechseln.
Ähnliche Inaktivität und mangelnde Kommunikation sei beim D&A-Team zu verzeichnen, deswegen werde es ebenfalls aufgelöst. Dies alles diene der Vereinfachung von Prozessen.
Aus meiner Sicht sind das zwei gravierende Fehlentscheidungen, die ein weiteres Mal zeigen, wie es um die derzeitige Projektleitung von Joomla bestellt ist.
- Die Pflege und Weiterentwicklung der Serie 1.0.x von Joomla oblag bislang dem Q&T-Team. (Inwieweit diese Aufgabe dort nicht auch von vornherein "fachfremd" angesiedelt war, darf gerne diskutiert werden.) Das Development-Team muss sich nach der Auflösung des Q&T-Teams nun auch um darum kümmern. Ob es das mit der gebotenen Sorgfalt tun wird – und ob überhaupt -, wage ich zu bezweifeln angesichts des gewaltigen Drucks, endlich die ewige Vaporware Joomla 1.5 herauszubringen, der auf den Schultern der Entwickler lastet.
- Jeder, der sich in größeren Projektumfeldern auskennt, weiß, dass Qualitätssicherung betrieben werden muss – und zwar tunlichst von Personen, die nicht direkt in die Software-Entwicklung involviert sind. Louis schreibt bezeichnenderweise nicht ein Wort darüber, wie er sich die künftige QS vorstellt, und mein Verdacht ist es deswegen, dass das Core-Team dafür auch keine Pläne hat. Bugs werden künftig wohl ausschließlich von den Nutzern gefunden werden müssen, die Qualität der Releases wird noch weiter absinken.
- Die Auflösung des "Design & Accessibility"-Teams ist eine weitere Offenbarung. Eine der bekanntesten und am häufigsten bemängelten Schwächen von Joomla ist die nicht barrierearme Ausgabe des generierten HTML-Codes. Nach über zwei Jahren Projektdauer findet sich auf der Domain joomla.org immer noch dieses Accessibility Statement, das einem Eingeständnis des eigenen Versagens gleichkommt.
In der Version 1.5 wird es nun endlich möglich sein, barrierearmen Output zu erzeugen – aber nur im Frontend-Template, nicht in der Administration.
Den Löwenanteil der Arbeit für ein beispielhaftes barrierearmes Joomla-Template haben die D&A-Mitglieder Robert Deutz und Angie Radtke mit ihrem Template Beez geleistet. (Auch wenn es nicht gerade Schönheitswettbewerbe gewinnt, zeigt es auf, wie barrierearme Frontends umgesetzt werden können.)
Nach erfolgter Fertigstellung dürfen sie nun gehen, Aspekte der Barrierearmut sollen künftig ebenfalls im Development-Team berücksichtigt werden.
Die Kommentare zu Louis’ Post beinhalten – neben der immer gleichen unreflektierten Bejubelung der "Community" durch die üblichen Verdächtigen – auch durchaus kritische Stimmen. Ändern werden diese sicherlich nichts.
Ein weiteres Mal geht die Joomla-Projektleitung den falschen Weg:
- Statt ein – wenig aktives – Q&T-Team aufzulösen, hätte man besser neue Mitglieder geworben und endlich denen gegenüber ein klein wenig Anerkennung gezeigt, die durch das Beisteuern von Bugfixes und Verbesserungen dafür sorgen, dass die Stabilität des Codes steigt.
- Statt ein – aktives – D&A-Team aufzulösen, hätte man mutig den nächsten Schritt gehen und Barrierearmut auch für den Administrationsbereich vorbereiten können.
Ich halte das für einen doppelten Knieschuss, der dem Projekt Joomla sehr abträglich sein wird. Wie ist Eure Meinung?

[...] Ok, ich merke, ich muss weiter ausholen: In den letzten Jahren habe ich sehr viel mit Joomla bzw. Mambo gearbeitet, eigene Komponenten geschrieben und auch größere Projekte auf Basis von Joomla umgesetzt. Seit Ende letzten Jahres warte ich nun auf Joomla 1.5. Habe mir die Beta Versionen schon einige Male angesehen, aber so richtige Hochstimmung wollte da nicht aufkommen, davon abgesehen, dass die neue Version bis heute nicht als stabil zur Verfügung steht. Anstatt dessen letzte Woche die, wie ich finde, Hiobsbotschaft: Das “Quality & Testing”- sowie das Design & Accessibility”-Team wurde abgeschafft. Herrje, was soll das denn jetzt? Nun, darum soll es hier nicht gehen. Einen sehr guten Beitrag dazu gibt es aber unter http://www.nitsche.org. [...]