Da hatte ich – es ist schon bald drei Jahre her – in einem älteren Artikel über Joomla einmal geschrieben: Joomla may be Open Source, but it’s a closed project. Zwar in einem anderen Zusammenhang (auf die Informationspolitik des Projekts bezogen), aber man konnte das auch durchaus auf die Weiterentwicklung des Quellcodes münzen. Code wurde in den geschlossenen Kammern des Core-Teams fabriziert und nirgendwo sonst.
Andere Open-Source-Projekte wie z.B. Drupal halten es da anders: Hier kann jedermann Fixes, Patches und pfiffige Ideen einreichen – mit einer guten Chance, dass sie veröffentlicht werden.
Nun saßen die Entwicklungs-Koordinatoren im heißen Australien einige Tage beieinander, und ich bin sehr verwundert, dass die teils sensationellen Ergebnisse in der Joomlasphere nach über einer Woche immer noch praktisch nicht diskutiert werden. Vielleicht, weil der zugehörige Bericht den drögen Titel Ergebnisse des Gipfeltreffens der Entwicklungskoordinatoren trägt?
In dem genannten Bericht werden Beschlüsse aus folgenden Bereichen vorgestellt, ich nenne hier nur einige wichtigere Auszüge:
Vision für die Entwicklung
- Es soll kürzere Entwicklungszyklen und häufigere Releases geben.
- Für bestimmte Releases soll es einen Lebenszyklus (d.h. Support-Zeitraum) von mindestens drei Jahren geben. Das wird auch für Joomla 1.5.x gelten.
- Es soll “Distributionen” von Joomla geben, die z.B. bestimmte Extensions ab Werk enthalten, oder auch abgespeckte “Light”-Versionen.
- Für größere Releases wird voraussichtlich immer eine Migration erforderlich sein statt eines einfachen Updates.
- Das Framework, auf dem Joomla aufbaut, und das eigentliche CMS sollen in der Entwicklung stärker separiert werden.
Ein gesundes Entwicklungsteam
- Es soll jedermann ermöglicht werden, Feature-Patches zum Joomla-Code beizusteuern. Die Koordinatoren sind sich klar darüber, dass dafür entsprechende Richtlinien und Hinweise zur Programmierung veröffentlicht werden müssen.
- Die Mailing-Listen, die sich mit der Entwicklung befassen, werden erweitert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. (Dies ist bereits geschehen, siehe am Ende des Artikels.)
- Die Community soll auf allen Ebenen zur Entwicklung beitragen können.
Schließlich wurde noch recht vieles über die kommende Version Joomla 1.6 gesagt, das den Rahmen dieses Artikels aber sprengen würde und einem weiteren Beitrag vorbehalten sein soll. Ich will hier nur festhalten, dass für 1.6 derart viele grundlegende Änderungen und Erweiterungen in Arbeit sind, dass das kursierende Gerücht, mit dieser Version sei noch im 1. Quartal 2009 zu rechnen, getrost in die Tonne getreten werden darf.
Tapetenwechsel
Worauf die obigen Punkte – wenn die Aussagen der Koordinatoren ernst gemeint sind – hinauslaufen, ist ein teilweises Umkrempeln des Entwicklungsprozesses und der bisherigen Philosophie.
Bislang war die Entwicklung von Joomla in den Händen des Core-Teams und von niemand sonst. Der Umgang mit Feature-Vorschlägen und eingesandtem Code war in der Geschichte des Projektes teilweise von Selbstherrlichkeit und Arroganz geprägt. Das Ergebnis nach fast dreieinhalb Jahren Projektdauer ist ein CMS, das auch in der Version 1.5.x immer noch gravierend an Mängeln und Schwächen der Ursprungsplattform Mambo krankt.
Sollten die Koordinatoren nun festgestellt haben, dass man mit einer offeneren Politik, wie sie in vielen Projekten gepflegt wird, rascher bessere Ergebnisse erzielt? Immerhin lautet der selbstgewählte Wahlspruch des Projektes ja nun schon geraume Zeit: “Open Source Matters.”
Ich für meinen Teil bin sehr gespannt.

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