Mambo 4.5.3: Stabilität statt Features – und ein erstaunliches Copyright

Vor einer Woche ist eine neue Version von Mambo veröffentlicht worden – das von vielen Benutzern lange erwartete Release 4.5.3. Im August war eine Beta mit sehr fragwürdiger Qualität erschienen, die dem Ruf Mambos und des neuen Entwicklerteams eher schadete als nützte. Jetzt ist die neue Version fertiggestellt; ein Kurztest ergibt folgende erwähnenswerte Punkte:

  • Die aktuellen Sicherheits-Fixes sind enthalten; Mambo 4.5.3 ist damit nicht anfällig für den derzeit kursierenden Globals-Exploit.
  • Die Möglichkeit einer Sprachauswahl bei der Installation wurde wieder entfernt. Mit der Beta-Version hatte ich nach einer Testinstallation in deutscher Sprache eine vollkommen unbrauchbare Site – hier ist man offenbar wieder auf Nummer Sicher gegangen. Die Administration bleibt damit rein englischsprachig.
  • Ein neues, CSS-basiertes Template von Water & Stone ziert die Standard-Installation. Es kommt etwas grau in grau daher, ist aber durchaus eine Abwechslung zu dem früher üblichen schreienden Orange. Das Template scheint eine gute Ausgangsbasis für individuelle Anpassungen darzustellen.
  • Der noch in der Beta-Version enthaltene Editor mosCE wurde wieder entfernt und durch den originalen Editor TinyMCE ersetzt.
  • Auch die Online-Update-Funktion wurde wieder herausgenommen.
  • Die Administration kann zwischen zwei Modi (Simple/Advanced) umgeschaltet werden. Dies wirkt sich jedoch nur auf die Anzahl der bunten Icons im Startbildschirm aus; über das obere Menü sind auch im "Simple Mode" alle Optionen erreichbar. Der Nutzen dieser Wahlmöglichkeit erscheint mir daher eher zweifelhaft.
  • Beim Editieren von Inhalten können nun mit einem sehr klein dargestellten Link auf der rechten Seite die Options-Reiter neben dem WYSIWYG-Editor ein- und ausgeblendet werden.
  • Die Standard-Inhalte – wenn man sie denn mitinstalliert – wurden überarbeitet. Sie geben nun für Anfänger eine erste Einführung in die Funktionsweise von Mambo und beantworten einige häufige Fragen.

Die weiteren Änderungen liegen lediglich im Detail. Die Entwickler haben sich weitestgehend auf die Stabilisierung des Codes beschränkt und auf zusätzliche Features verzichtet bzw. diese wieder entfernt. Somit kann Mambo 4.5.3 nicht gerade als visionär bezeichnet werden.

Hochinteressant ist jedoch folgender Lapsus: Vor einiger Zeit wurde das Copyright an Mambo – offenbar aus Gründen der politischen Opportunität und wegen des Vorwurfes, den Open-Source-Gedanken nicht genügend zu respektieren – von Miro auf die Mambo Foundation übertragen.  Auch in den neuen Beispielinhalten wird dieser Sachverhalt betont.

Dies scheint jedoch nur ein Lippenbekenntnis zu sein. In allen PHP-Dateien von Mambo 4.5.3 findet sich im Kommentarblock zu Beginn als Copyright-Inhaber nach wie vor die Firma Miro:

@copyright (C) 2000 - 2005 Miro International Pty Ltd

Das spricht Bände über das Geschäftsgebaren von Miro und trägt nicht gerade dazu bei, das Vertrauen in das ohnehin zweifelhafte Konstrukt der Mambo Foundation zu stärken.

Wer braucht – angesichts der Alternative – noch das Miro-Produkt? Ich nicht.

 

Update: Erst mit Datum vom 20. Dezember 2005 hat Miro das Copyright von Mambo nun offiziell an die Mambo Foundation übertragen

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