Schneckenpost

So nannten wir die althergebrachte Briefpost abfällig, als wir uns in den achtziger und neunziger Jahren angewöhnten, via DFÜ über Kontinente hinweg zu kommunizieren. "Snail Mail" war plötzlich vollkommen out. "Netmail" oder gar "Crash Mail" stellte dagegen sicher, dass Mitteilungen im weltweiten Fido-Mailbox-Netzwerk den Empfänger in kürzester Zeit erreichten. Die Leitungskosten für solche Schnell-Nachrichten waren auch bei einer direkten Modemverbindung meist niedriger als das Briefporto.

Zur Ehrenrettung der Post muss aber festgehalten werden, dass in den letzten – sagen wir mal – zehn Jahren die Zustellung von Sendungen sehr zuverlässig und schnell funktionierte. Ein Brief, an einem Tag irgendwo in Deutschland aufgegeben, war in der Regel am nächsten Tag beim Empfänger. Auch Pakete benötigten immer nur ein bis zwei Tage Laufzeit.

In den letzten Monaten stelle ich jedoch eine drastische Verschlechterung fest. Zwei Beispiele:

  • Die c’t lag normalerweise immer samstags in meinem Briefkasten. Aber diese Zeiten sind vorbei. Jetzt habe ich sie oft erst am Montag oder gar am Dienstag.
  • Ein Brief, an einem Donnerstag vom Absender persönlich während der Schalter-Öffnungszeit bei einer Poststelle in Hannover abgegeben, erreicht mich erst am darauffolgenden Dienstag. Fünf Tage Laufzeit!

Und nein, das sind leider keine Einzelfälle mehr. Ständig kommt es zu solchen Verzögerungen – und hin und wieder auch zu Totalverlusten. Der Begriff "Schneckenpost" beginnt wieder in meinen Sprachgebrauch zu kriechen.

Geht das nur mir so? Stehe ich bei der Post vielleicht in einem kleinen schwarzen Büchlein? Wie sind Eure Erfahrungen?

Kommentieren